24. Januar 2013

Wieso Finnland schwierig ist...

Finnland ist ein schwieriges Land für einen Schüleraustausch, das ist mir mittlerweile durchaus bewusst geworden. Ich glaube jeder Austauschschüler erfährt in seinem Leben, dass sein Jahr im Ausland nicht nur Spiel, Spaß und Spannung bedeutet. Und jeder hat auch andere Erwartungen und Empfindungen. Für mich stellt sich das Jahr hier in Finnland vielleicht nicht als das großartigste Jahr meines Lebens heraus und ich erlebe auch nicht die aller schönsten und atemberaubendsten Dinge hier. Es stellt sich für mich eher wie eine große Erfahrung heraus, ein Versuch, eine Kultur, Lebensweise und Sprache zu verstehen, in die man aber doch nie vollkommen eindringen wird. Für mich hat sich mein Auslandsjahr bisher nicht als das große Spaßjahr gestaltet, das man vorher vielleicht erwartet. Nein, es fühlt sich für mich fast an, wie ein normales Lebensjahr, mit Höhen und Tiefen und ganz alltäglichen Problemen, nur in anderen Umständen, in einer anderen Familie in einem anderen Zuhause. Ich entdecke jeden Tag weiterhin etwas Neues und Unbekanntes, aber ich bin aber trotz alldem im finnischen Alltag tief drin. Das hätte ich so nicht erwartet, dass ich mich in das Leben der Finnen so tief einleben kann. Auf der einen Seite ist das natürlich super, ich kenne Finnland nach diesem Jahr sehr, sehr gut, denke ich. Auf der anderen Seite bedeutet die gute Integrierung in den Alltag natürlich auch, dass es für mich nicht oft nicht so super spannend ist, wie man es vom Austauschjahr erwartet. Ich habe mir diese Situation vorher nie vorgestellt, aber die Erkenntnis ist gar nicht so schlimm. Und ich denke ich lerne trotzdem sehr viel hier. Und es macht mir nach wie vor Spaß, Neues zu entdecken und zu sehen, eine neue Sprache zu lernen, herauszufinden, wie andere Familien leben. Deshalb bin ich froh, zu meinem Austauschjahr aufgebrochen zu sein und auch nach Finnland gegangen zu sein. Dieses Land viel schöner als es sich gibt. Die unendlichen Weiten der Landschaft, finnische Architektur in der Metropole und auch die finnische Seele können einen wahrlich faszinieren. Aber es ist sehr schwierig mit den Menschen in Finnland in Kontakt zu kommen. Ich habe hier durchaus mit vielen Leuten Bekanntschaft geschlossen und gehe mit Leuten spazieren oder besuche sie. Aber so richtig in einen Freundeskreis zu kommen, ist fast unmöglich. Ich habe mit den anderen Austauschschülern hier in Finnland viel darüber geredet und mitbekommen das die meisten gleiche Erfahrungen gemacht haben. Das ist natürlich etwas schade, denn ich empfinde es als zentralen Bestandteil eines Austausches. Aber es liegt ja noch die zweite Hälfte vor mir - wer weiß was kommt?
Ich werde es euch berichten!

Und nicht das ihr denkt das ich hier groß Depressionen schiebe, so ist es nun auch nicht. Und mit meiner neuen Gastfamilie ist alles nochmal einen Tick besser, weil ich bei denen auch wirklich zuhause fühle und auch endlich mal was los ist. Es wird mehr mit mir geredet, wir haben Familienaktivitäten, jeder redet mit jeden und generell wird auf einfach mehr geredet, es ist nicht die ganze Zeit ruhig, wie es sonst immer ist. Außerdem macht es jetzt auch immer richtig Spaß nach Hause zu kommen, weil man dann weiß das man auch unterhalten wird und sich wohl fühlt, so wie es ja eigentlich auch sein soll.

Danke für die sehr große Inspiration durch Heinrich für diesen Text, ich habe seinen fast komplett übernommen. Er ist zur Zeit in Russland Austauschschüler und hat auch einen Blog, da könnt ihr ja mal vorbeigucken: http://neues-aus-novgorod.blogspot.ru/
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